Corinne Bailey Rae | Bettye LaVette

Samstag 7. Juli 2018 | 19.30 Uhr | Wiener Staatsoper

Fotos: Corinne Bailey Rae MGMT, Corinne Bailey Rae

Corinne Bailey Rae

Dass die 1979 geborene, aus dem britischen Leeds stammende Singer/Songwriterin Corinne Bailey Rae als Gitarristin einer Indie-Rock-Band namens Helen begonnen hat, kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Dass sie sich im Funk als Gastsängerin der Band New Mastersounds probiert hat, schon eher. Ihr künstlerisches Zuhause fand sie schließlich in souligen Balladen. Ausgestattet mit einem abgeschlossenen Literaturstudium jobbte sie zunächst als Kellnerin und als Garderobemädchen in einem Jazzclub, wo sie auch ihren späteren Ehemann, den drei Jahre älteren Saxophonisten Jason Rae kennenlernte. Insgeheim schrieb sie Lieder. Ihr im Februar 2006 publiziertes Debütalbum schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der britischen und Platz 4 der US-Charts. Die, die Vinylkultur zelebrierende Single „Put Your Records On“ katapultierte sich auf Platz 2 der britischen Charts. Ihr Song „Like A Star“ wurde in die Soundtracks von zahlreichen Filmen aufgenommen.

Schon ihre frühen Lieder reflektierten ihre teilweise herben Erfahrungen. Ihre Sehnsüchte befeuerten ihre Melodien. Wahnsinnig schön auch, wenn sie sich ihrer Rockwurzeln erinnert, wie sie es etwa bei ihrer verhuschten Adaption von Led Zeppelins Bluesklassiker „Since I´ve Been Lovin´ You“ tat. Mit Al Green nahm sie das Duett „Take Your Time“ auf, mit Herbie Hancock den Joni-Mitchell-Klassiker „River“, für den sie ihren ersten Grammy erhielt.

Ein schweres Schicksal ereilte sie mit dem frühen Tod ihres Ehemanns im Jahr 2008. Mit ihrem grandiosen, zweiten Album „The Sea“ arbeitete sie sich aus dem existenziellen Tief wieder empor. Sie fasziniert auf Songs wie „I Would Like To Call It Beauty“ mit starken Melodien, Poesie und einer reiferen Stimme. Zuweilen wurde sie auf diesem Album auch etwas rauer, denn zu viel Intimität kann Musik auch ersticken. 2012 erhielt sie für ihre Coverversion von Bob Marleys „Is This Love“ einen weiteren Grammy in der Kategorie „Best R&B Performance“. 2016 veröffentlichte sie mit „The Heart Speaks In Whispers“ ihre drittes Album, bei dem u.a. Marcus Miller, Bill Withers und Esperanza Spalding mit von der Partie waren. Insgesamt hat Bailey-Rae mehr als 6 Millionen Alben verkauft.

Foto: Bettye LaVette MGMT

Bettye LaVette

Es ist ihrem schmalen, aber sehr intensiven Oeuvre anzuhören, dass Bettye LaVette früh das vom irischen Dichter Samuel Beckett eingeführte Konzept des „Immer-besser-Scheiterns“ beherzigt hat. Mehr als fünf Dekaden versucht die in Detroit aufgewachsene, mittlerweile 72-jährige Soulsängerin ihren privaten und karrieretechnischen Rückschlägen Positives abzugewinnen. Nach einem Blitzstart als 16-jährige mit dem Chartserfolg „My Man – He´s A Lovin´ Man“ kam ihre Karriere nie richtig auf Touren. Sie sang zwar im Vorprogramm von damaligen Größen wie Otis Redding und James Brown, schaffte selbst aber nur kleine, aber um so feinere Hits wie den Soulklassiker „Let Me Down Easy.“ Sie sang für berühmte Soullabels wie „Sound Stage Seven“ und „Motown“, probierte sich in Disco, wo sie mit „Doing The Best I Can“ etwas Bleibendes schuf. Nicht einmal vor dem Musical schreckte sie zurück. Jahrelang spielte sie in „Bubbling Brown Sugar“.

Die nachhaltige Wende ihrer wechselhaften Laufbahn kam 2005, als ihr Erfolgsproduzent Joe Henry ein Album auf den Leib schneiderte, das ihren intensiven Gesang wieder ins Rampenlicht katapultierte. „I´ve Got My Own Hell To Raise“ war die Blaupause für alles, was sie seither aufgenommen hat. Sie, die Jahre vor Janis Joplin den Jerry-Ragavoy-Song „Piece Of My Heart“ aufgenommen hat, hielt immer auch Fühlung mit der Rockmusik. Ihre famose Hommage an die britische Rockmusik von 2010 zeigte das nur zu deutlich. Auf ihrem aktuellen Opus feiert die Soulqueen das kompositorische Genie Bob Dylans. Das Album „Things Have Changed“, u.a. mit neuen Lesarten von „Ain´t Talkin´“ und „What Was It You Want It“ könnte nicht leidenschaftlicher sein.